Schultergelenksarthrose, Oberarmkopfnekrose, Cuff-Arthropathie

Was versteht man unter der Schultergelenks-Arthrose?
Die Schultergelenksarthrose, medizinisch Omarthrose genannt, ist eine im Vergleich zur Hüft-oder Kniegelenksarthrose seltener vorkommende Verschleißerkrankung des Gelenksknorpels der Schulterpfanne (Glenoid) und des Oberarmkopfes.
Der gesunde Knorpel sorgt zusammen mit der Gelenkflüssigkeit (Synovia) im Gelenk dafür, dass keine direkte Reibung zwischen dem Oberarmkopf und der Schulterpfanne stattfindet. Orthospine Praxisbilder 004
Ist der Knorpel durch Überlastungen, Fehlbelastungen, Fehlstellungen, Stoffwechselerkrankungen oder akut/chronisch entzündliche Erkrankungen intensiv abgenutzt, reibt Knochen auf Knochen.
Diesem Zustand voraus geht meist ein jahrelanger fortschreitender Verschleiß, bei dem der Schmerz immer mehr zu und die Beweglichkeit immer weiter abnimmt.
Obwohl die Arthrose meist erst im höheren Alter in Erscheinung tritt, ist sie abhängig von der Ursache kein reines Altersleiden.
Bereits ab dem 35. Lebensjahr beginnt bei vielen Menschen die Abnutzung des Gelenkknorpels.

Wie bei anderen großen Gelenken gibt es primäre Arthrosen (ohne ersichtlichen Auslöser) und sekundäre Arthrosen (z.B. nach Brüchen, Luxationen, Infektionen…)

Diagnose

Die Diagnose der Omarthrose erfolgt durch Erhebung der Krankengeschichte, eine genaue körperliche Untersuchung, gezielte Röntgendiagnostik, Ultraschall und ggf. Kernspintomografie (zur Beurteilung der Rotatorenmanschette und der Schulterpfanne)

Je nach Beschwerdebild und Ausprägung der Arthrose gibt es verschiedene konservative und operative Therapiemöglichkeiten

Konservative Therapie

Entzündungshemmende/schmerzlindernde Medikamente:
Diclofenac, Ibuprofen, Paracetamol, Novalgin…

Intraartikuläre Injektionen:

ACP: Im Gegensatz zur Spritze mit Cortison und Betäubungsmittel hat diese Spritze nicht nur einen entzündungshemmenden/schmerzstillenden Charakter sondern kann auch kleinere Teileinrisse an Sehnen durch das direkte anbringen von hochkonzentrierten Wachstumsfaktoren/Entzündungshemmern heilen.
Diese werden durch ein spezielles Verfahren aus ihrem eigenen Blut gewonnen (orthoillustrated).
Diese Spritzen können auch beim Diabetiker eingesetzt werden.

Ebenso sind Hyaluronsäure, Tiefenkryotherapie - im hoch akuten, schmerzhaften Stadium und die Magnetfeldtherapie weitere Möglichkeiten.

Krankengymnastik:
Hier kann durch gezieltes Training verschiedener Muskelgruppen das Bewegungsspiel der Schulter wieder verbessert werden. Zudem werden spezielle Dehnübungen der Weichteile (Gelenkkapsel, Bänder, Muskulatur) durchgeführt.
Durch diese Maßnahmen kann die Beweglichkeit wieder gesteigert, die umgreifende Muskulatur gelockert und die Schmerzen in der Schulter gemindert werden.

Operative Therapie

Arthroskopie:
Auch bei radiologisch deutlicher Omarthrose ist es in Abwägung der speziellen Symptome häufig sinnvoll eine limitierte arthroskopische Operation mit Lavage, Tenotomie der langen Bizepssehne, Synovektomie = teilweise/vollständige Entfernung der entzündeten Gelenkinnenhaut mit speziellen Fräsen(Shaver) bzw. elektrisch mit hochfrequentem Strom über spezielle SondenSynovektomie, Abtragung von Knochenanbauten, Schleimbeutelentfernung durchzuführen. Hierdurch lässt sich jedoch häufig nur eine Linderung der Schmerzhaftigkeit der Schulter erzielen und keine relevante Besserung der Beweglichkeit.

Schultergelenkprothese:
Bei ausbleibendem Therapieerfolg durch konservative Maßnahmen ist oft nur noch ein künstliches Schultergelenk erfolgsversprechend. Hier kann man, je nach Ausprägung der Arthrose Vollprothesen mit Ersatz des Oberarmkopfes und der Pfanne oder Teil-(Hemi-)-Prothesen mit ausschließlichem Ersatz des Oberarm-kopfes einsetzen.
Voraussetzung für diese Form der Endoprothesen ist eine intakte/funktionsfähige Rotatorenmanschette. Bei schlechter Knochenqualität wird die Prothese mit einem „Knochenzement“ fixiert.
Für jüngere Patienten mit sehr guter Knochenqualität gibt es auch schaftfreie Implantate.

Schulter-Schultergelenkprothese1Schulter-Schultergelenkprothese2

Bei Arthrosen mit gleichzeitigem großem Defekt der Rotatorenmanschette (Defektarthropathie, Cuffarthropathie) und Hochstand des Oberarmkopfes ist eine spezielle Form der Schulterprothese erforderlich, eine inverse Prothese. Bei diesem Prothesentyp wird das Gelenk umgedreht und ein neuer Kopf auf die Pfanne aufgebracht und eine Pfanne auf den Oberarm. Der Effekt ist vereinfacht gesagt eine „Verlängerung“ des Armes, was dem großen oberflächlichen Schultermuskel (Delta-Muskel) erlaubt die Funktionen der Rotatorenmanschette zu übernehmen.

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Nachbehandlung

Da es beim Zugang zum Schultergelenk erforderlich ist einen Muskel der Rotatorenmanschette (Subscapularissehne) abzulösen, der nach Einbringen der Prothese wieder fixiert wird, ist eine vorsichtige Nachbehandlung erforderlich um ein sicheres Einheilen der abgelösten Sehne zu gewährleisten.

Schulter-Ruhigstellung

In dieser Zeit erfolgt eine Ruhigstellung in einer Schlinge und vorsichtige Krankengymnastik. Zudem ist hierdurch ein sicheres Einheilen der Prothese gewährleistet. Nach 6 Wochen wird eine ambulante oder stationäre Anschlußheilbehandlung eingeleitet.