Vordere Kreuzbandruptur

Ein Riss des vorderen Kreuzbandes führt häufig zu einem dauerhaften Verlust der Stabilität des Kniegelenks. Bei schnellem Richtungswechsel oder in unebenem Gelände kommt es zu Verschiebungen des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel.
Sportliche Aktivitäten insbesondere im Fußball, Handball, Basketball, Judo, Squash, Badminton, Skilauf u.v.m. werden regelhaft weitere Verrenkungen mit blutigem Gelenkerguss nach sich ziehen und bereits nach wenigen Monaten oder Jahren Zusatzverletzungen am Meniskusgewebe und am Knorpel verursachen.

In der Folge notwendige Meniskusentfernungen verschlechtern die Gelenkführung und die Knorpelbelastung weiter. Mit zunehmendem Alter nimmt auch die muskuläre Kraft ab, die Gelenkunsicherheit verstärkt sich weiter.

Der Ersatz des vorderen Kreuzbandes ist mit den heutigen modernen Techniken mit geringem Risiko zuverlässig möglich. Wartet man mit dem Kreuzbandersatz bis nach Zerstörung von Meniskus- oder Knorpelgewebe, ist keine echte Wiederherstellung der regulären Gelenkfunktion mehr möglich.

Die Knorpel- und Meniskusersatztechniken führen nämlich derzeit im Gegensatz zur vorderen Kreuzbandersatzoperation selten zu weitgehender Wiederherstellung. Junge aktive Menschen sollten deshalb den Kreuzbandersatz immer dann sobald wie möglich durchführen lassen, wenn keine ausreichende Vernarbung des vorderen Kreuzbandes in den ersten 6 Wochen nach dem Unfallereignis erzielt werden konnte.

Diagnose

Die Diagnose der VKB-Ruptur gelingt durch verschiedene Untersuchungsmethoden. Oft liefert schon die Schilderung des Unfallereignis deutliche Hinweise auf eine evtl. Verletzung.Im akuten/schmerzhaften Stadium ist, auch in Abhängigkeit von weiteren Begleitverletzungen,eine genaue Untersuchung nicht möglich. Ein Röntgenbild muß immer angefertigt werden um einen Knochenbruch auszuschließen. Gesichert wird die Diagnose durch eine MRT(Link). Spezielle Untersuchungen erlauben schließlich die Instabilität des Kniegelenkes festzustellen (vordere Schublade, Lachmann, Pivot-shift)

Therapie

Die Behandlung ist abhängig von der Art der Verletzung bzw. vom Grad der festgestellten Instabilität, vom Alter des Patienten und seinem Aktivitätsbedürfnis.

Konservative Therapie

Ist trotz fehlender Gelenkstabilität kein Eingriff gewünscht oder angezeigt, kann nur ein intensives Muskelaufbautraining, eine Stabilisationsschiene und eine konsequente Vermeidung gefährdender Kniegelenksbelastungen ungünstige Spätfolgen vermeiden.

Wird die Kreuzbandverletzung sofort nach dem Unfallereignis richtig erkannt, kann die sofortige konsequente Schienenbehandlung mit Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit (0-10-90 Grad) über 6 Wochen in einem höheren Prozentsatz ohne operative Maßnahme zu einem stabilen narbigen Ausheilungsergebnis des vorderen Kreuzbandes führen.

 

Operative Therapie

Frühoperationen sind vorwiegend bei Leistungssportlern in den ersten 1-2 Tagen nach dem Unfallereignis angezeigt.
Kreuzbandersatztechniken sollen ansonsten erst nach Ausheilung der Primärverletzungen (sog. Cool-down-Phase) durchgeführt werden.

Nur nach Abschluss der natürlichen 6-wöchigen Vernarbungsphase sind bei etwa 10 % unserer Patientenkreuzbanderhaltende Anfrischungsoperationenmöglich, die eine Sehnenentnahme ersparen.
Darüber hinaus können bei Teilvernarbungen anatomisch sehr viel günstigere rekonstruktive Bündelersatzoperationenzum Einsatz kommen.

Bei fehlender Vernarbung und damit bleibender Instabilität nach den ersten 6 Wochen ist der Kreuzbandersatz (Kreuzbandplastik) zu empfehlen.
Dies gilt auch für Kinder in der Wachstumszeit.
Die gefürchteten Folgeschäden an Knorpel- und Meniskusgewebe sind bei Kindern wegen der noch lockeren Gelenkführung schneller und häufiger zu beobachten als bei Erwachsenen.
Die arthroskopischeSemitendinosustechnik schädigt die Wachstumszonen nicht.

Als körpereigenen Ersatz für das vordere Kreuzband verwenden wir die Semitendinosus-Sehne, die an der Innenseite des Unterschenkels ansetzt und zum Oberschenkel hochzieht oder alternativ einen mittleren Anteil des Kniescheibenbandes, das von der Kniescheibenspitze zum Unterschenkel verläuft (Patellasehne,Ligamentum patellae).

Nach der Operation ist das Knie sofort zwischen 0 und 90 Grad freigegeben, die Teilbelastung von Anfang an erlaubt. Vollbelastung ist in der Regel in Woche 4 möglich. Die intensive muskuläre Rehabilitation beginnt in der 7. postoperativen Woche. Häufige Komplikation: Sensibilitätsstörung durch Hautnervenläsionen im Rahmen der Sehnenentnahmestelle.

(orthoIllustrated)